Die ARD und der Mitteldeutsche Rundfunk haben in ihrer Sendung „Hauptsache gesund“ das Thema Cannabis als Medizin thematisiert. Der Beitrag mit einer Länge von 3 Minuten lief am 29.10.2015. Vorgestellt wird die Patientin Wiltraud Kornagel. Die Sendung könnt ihr euch hier ansehen:

Das Video stammt aus der ARD Mediathek.

Die Beschreibungstext der Sendung auf der Website des ARD lautet: Dem deutschen Betäubungsmittelgesetz nach ist der Besitz und Anbau von Cannabis verboten. Dabei kann es gegen Schmerzen helfen. Doch auf Rezept bekommen Cannabis die wenigsten.

Dronabinol ist nur mit einem BtM-Rezept erhältlich
Dronabinol ist nur mit einem BtM-Rezept erhältlich

Dronabinol (Reines THC) unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz und man kann es nur mit einem Rezept, genauer einem Betäubungsmittelrezept kaufen. Der Preis hängt von der Wirkstoffmenge und der Darreichungsform ab. Bei einem Einkauf direkt beim Hersteller bzw. Großhändler liegt der Preis für 500 mg Dronabinol für den Apotheker etwa bei 210 Euro. Verkauft er diese direkt und komplett an einen Patienten, so liegt der Preis nur etwas höher. In einer Online Apotheke fand ich den Preis von 271 Euro für 500 mg Dronabinol.

Verarbeitet der Apotheker das Produkt als Rezepturarzneimittel weiter und füllt den Wirkstoff in Kapseln, verdoppelt sich der Preis und liegt dann in der Größenordnung von 441 bis 465 Euro für 500 mg Dronabinol in Kapseln. Wie dieser Preis entsteht beschreibt diese  Musterrechnung für den Preis von 500 mg in Kapseln aus der Apotheke. In welcher Form der Apotheker das Produkt verkaufen darf wird durch den Arzt auf dem Rezept festgelegt.

Die Kosten für Dronabinol müssen Patienten in der Regel selbst tragen. Im Krankenhaus spielt dies keine Rolle weil die Kosten für Medikamente nicht einzeln mit der Krankenkasse abgerechnet werden, sondern der Preis für die Medikamente in der Fallpauschale für die Behandlung des Patienten bereits enthalten ist.

Dronabinol gibt es in den Größen von 100 mg bis zu 5 g Wirkstoff. Die Gelbe Liste kennt drei Anbieter: Bionorica Ethics, Thc Pharm GmbH und Fagron GmbH & Co. KG. Bionorica und THC Pharm stellen Dronabinol selbst her. Woher Fagron den Wirkstoff bezieht, weiß ich nicht.

Fagron GmbH & Co. KG bietet lautet Gelber Liste an: Dronabinol, Dronabinol Substanz, Dronabinol Kapselset Substanz und Dronabinol Tropfenset Substanz

Zudem gibt es das Dronabinol Rezepturset f. Tropf. Stabilisiert o. Sub. (Art.-Nr.: 00299654) von der Firma THC Pharm GmbH für 10,59 € – laut Lauer-Taxe (auch Arzneimittelspezialitätentaxe genannt) – also vermutlich eine Art „unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers“. Bei Online Apotheken sah ich das Rezepturset für 8,50-9,50 Euro, einmal auch für nur 7,50€.

Bei diesem Rezepturset ist KEIN Wirkstoff enthalten, voll ausgeschrieben heißt das Produkt „Dronabinol Rezepturset für Tropfen, Stabilisiert ohne Substanz (Art.-Nr.: 00299654)“

Was genau ist „Dronabinol“?

Der Begriff „Dronabinol“ ist der Freiname von (-)-trans-Δ9-Tetrahydrocannabinol (chemischer Namen (IUPAC): (6aR,10aR)-6,6,9-Trimethyl-3-pentyl-6a,7,8,10a-tetrahydro-6H-benzo[c]chromen-1-ol), einem natürlich vorkommenden Stereoisomer von Δ9-Tetrahydrocannabinol. Nur dieses Isomer ist in Deutschland in Anlage III BtMG gelistet und verkehrs- und verschreibungsfähig.

Die anderen drei Stereoisomere des Δ9-Tetrahydrocannabinol (Δ9-THC, IUPAC: 6,6,9-Trimethyl-3-pentyl-6a,7,8,10a-tetrahydro-6H-benzo[c]chromen-1-ol) sind nicht verschreibungsfähig und in Anlage II BtMG zu finden. Weitere Tetrahydrocannabinol-Isomere wie Δ9(11)-Tetrahydrocannabinol und ihre stereochemischen Varianten sind als Substanzen der Anlage I BtMG weder verkehrs- noch verschreibungsfähig.

Dronabinol hat den eindeutigen ATC-Code: A04AD10 (Anatomical Therapeutic Chemical Classification System).

Medropharm Medical Cannabis M-1448
Medropharm Medical Cannabis M-1448

Auch außerhalb der Labor von Bedrocan tut sich einiges in Europa in Sachen professionelle Zucht von Cannabis zu medizinischen Zwecken. Die Schweizer Firma Medropharm hat aktuell zwei neue Cannabissorten angekündigt.

Neue CBD-haltige Sorten

Beide Züchtungen mit den Bezeichnungen M-1337 und und M-1448 zeichnen sich durch einen sehr niedrigen THC Gehalt von 0,6-0,9% aus. Dafür enthalten sie 7-9% bzw. 13-15% medizinisch wirksames Cannabidiol (CBD).

Damit ähneln sie der Sorte „Bedrolite“ der niederländischen Firma Bedrocan. Diese hat einen CBD Gehalt von 9% und weniger als 1% THC. Die zweite Züchtung der Eidgenossen hat sogar wesentlich mehr CBD als die Sorte der Niederländer.

Die Sorten der der Firma Medropharm sollen im kommenden Frühling fertig sein und sollen dann präsentiert werden.

Toniolo Mike (Medropharm) schrieb mir zu den neuen Sorten: „Wir haben die zwei Genetiken über mehrere Jahre selektiert und sind jetzt am Ziel angekommen.“

Meldung von Medropharm im O-Ton

Hier die Meldung von Medropharm auf Facebook: Weiterlesen

Cannabidiol (CBD) ist auch in sog. "Nutzhanf" enthalten
Cannabidiol (CBD) ist auch in sog. „Nutzhanf“ enthalten

Für die Antwort auf eine Kontaktanfrage zum Thema Einsatz von Cannabidiol (CBD) bei einer 4-jährigen Patientin mit wiederkehrenden starken epileptischen Anfällen habe ich einige Informationen zusammengestellt. Bei diesem Anlass möchte ich auf die rechtlichen Hinweise zur Nutzung meines Blogs hinweisen, kurz: „Ich bin kein Arzt, ich kann für die Richtigkeit insbesondere von medizinischen Angaben keine Garantie übernehmen und die Lektüre meiner Artikel ersetzt kein Arztbesuch.“

Cannabidiol ist kein Betäubungsmittel und kann mit einem einfachem Rezept über die Frankfurter „Bock-Apotheke“ oder die Hachtor-Apotheke in Rüthen bezogen werden.

Die Frage der Erstattungsfähigkeit stellt sich bei einem Einsatz im Krankenhaus, da diese Fallpauschalen und keine einzelne Medikamente mit den Krankenkassen abrechnen.

Die behandelnden Ärzte sollen sich mal mit Professor Sven Gottschling Saarbrücken in Verbindung setzen (Homburg/Saar: Einjähriger erhält Cannabis-Präparat gegen Epilepsie) oder mit Professor Gerd Kurlemann, Uniklinik Münster (Cannabis als Arznei für Kinder – „Das ist ein sehr schwieriger Weg“) oder dem Epilepsiezentrum Freiburg (Cannabis und Epilepsien) Weiterlesen

Cannabis ist Medizin!
Cannabis ist Medizin!

DIE LINKE im 18. Deutschen Bundestag hat am 14.10.2015 einen Antrag zum Thema Cannabis als Medizin gestellt. In der Drucksache 18/6361 fordern die Abgeordneten „Zugang zu Cannabis als Medizin umfassend gewährleisten“.

Unterzeichnet ist der Antrag von den LINKEN-Abgeordneten Frank Tempel, Kathrin Vogler, Jan Korte, Sabine Zimmermann, Sigrid Hupach, Matthias W. Birkwald, Nicole Gohlke, Dr. Rosemarie Hein, Katrin Kunert, Cornelia Möhring, Norbert Müller, Harald Weinberg, Katrin Werner, Birgit Wöllert, Jörn Wunderlich, Pia Zimmermann und der Fraktion DIE LINKE.

Hier der Text des Cannabisantrages:

Zugang zu Cannabis als Medizin umfassend gewährleisten

Der Bundestag wolle beschließen:

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Cannabis Flos der Firma Bedrocan
Cannabis Flos der Firma Bedrocan

Das niederländische Unternehmen Bedrocan BV stellt fünf Sorten Cannabis für die medizinische Verwendung her und versorgt damit auch Patienten in Deutschland.

Die Firma Bedrocan BV

Aktuell produziert Bedrocan pro Jahr etwa 430 kg medizinische Cannabisblüten für Patienten. 300 kg der Ernte werden in den Niederlanden an Patienten verkauft und 130 kg werden von anderen EU Länder wie Deutschland bestellt. Die Gesamternte belief sich 2013 auf 450 kg Cannabs Flos.

Das Unternehmen hat 15 Vollzeitbeschäftigte und erwirtschaftet pro Jahr 1,5 Millionen Euro. Quelle: WELT

CEO des Unternehmen ist Tjalling Erkelens. Die Forschung und Entwicklung leitet Dr. Arno Hazekamp. Beide sind auch Executive Team von Bedrocan Cannabis Corp in Kanada vertreten.

Hazekamp schrieb seine Doktorarbeit 2007 an der Universität Leiden über Extraktion bei Cannabis.

Daneben gibt es noch einen Head of Nursery (Horticulturalist), Head of Processing (GMP/HACPP educated), Quality Assurance manager (pharmacist) und 10 Arbeiter für die Verarbeitung und Verpackung. Quelle: Präsentation von Tjalling 2013

Seinen Ursprung hat die Firma im Anbau von Gartenbauprodukten unter standardisierten Bedingungen in geschlossenen Räumen. Ende der 90er Jahre begannen Versuche mit Cannabis. 2002 erhielt das Unternehmen eine offizielle Genehmigung der Regierung für den Anbau von Cannabis und seit 2003 besteht einer Liefervertrag für medizinisches Cannabis mit dem niederländischen Staat. Das Unternehmen hat seinen Sitz in der Gemeide Veendam in der nordöstlichen Provinz der Niederlande Groningen.

Das BV steht für „Besloten vennootschap met beperkte aansprakelijkheid“, einer „niederländische Kapitalgesellschaft mit beschränkter Haftung“ – ähnlicher einer GmbH in Deutschland. Damit ist Bedrocan keine Aktienunternehmen,

Schöne Bilder von der Firma und ein Interview mit dem CEO Tjalling Erkelens gibt es hier.

Zum Potenzial der Firma

Der niederländische Verbrauch an Cannabisblüten hochgerechnet auf die Bevölkerung von Deutschland ergibt 1,5 Tonnen pro Jahr, also mehr als das Dreifache der aktuellen Jahresproduktion. Im Vergleich dazu wurden im Jahr 2014 etwas weniger als 50 kg nach Deutschland importiert, im ersten Halbjahr 2015 waren es 40 kg.

Ausgehend von den erlaubten Einkaufsmengen der Patienten in Deutschland liegt der Bedarf aktuell schon bei 300 kg. Lieferprobleme und mangelnde finanzielle Mittel der Patienten sind die Ursachen für die Differenz.

Sorten

Aktuell hat die Bedrocan Cannabisblüten („Flos“) von fünf unterschiedlichen, standardisierten Sorten im Angebot. Der THC Gehalt der einzelnen Sorten schwankt von Charge zu Charge und hat sich auch im Laufe der Zeit geändert. Daher findet man im Internet unterschiedliche Angaben. Eine schöne Übersicht findet sich auf der Website von Bedrocan Kanada. Weiterlesen

Aus dem Abstract book der Veranstaltung: 7th European Workshop on Cannabinoid Research and IACM 8th Conference on Cannabinoids in Medicine, 17-19 September 2015 in Sestri Levante, Italy. cannabinoidconference2015.org

Autoren:

Eva Milz 1 , Franjo Grotenhermen 2,3
1 Medical Practice for Psychiatry and Psychotherapy, Berlin, Germany; 2 Nova-Institute Hürth/Rheinland, Germany; 3 Medical Practice, Rüthen, Germany

Background:

Attention deficit hyperactivity disorder [ADHD] may persist into adulthood. It may be treatment resistant to standard medication, that is methylphenidate, amphetamine derivatives and atomoxetine. Currently, no clinical studies have been conducted on cannabis-based medicines in ADHD, but a few case reports (Strohbeck-Kuehner P, et al. Cannabinoids 2008;3(1):1-3. Available online at http://cannabis-med.org/data/pdf/en_2008_01_1.pdf) and basic research (Adriani W, et al. Neurosci Biobehav Rev 2003;27:639-651.) suggest therapeutic benefits in this condition.

In Germany, patients independent of medical condition may apply for an approval to use cannabis flowers from the pharmacy if the standard therapy of a certain disease or symptom is not efficient or associated with severe side effects. Weiterlesen

Cannabis kann bei Krebs helfen, aber nur in einigen Fällen auch gegen die Erkrankung selbst
Cannabis kann bei Krebs helfen, aber nur in einigen Fällen auch gegen die Erkrankung selbst

Zum Hintergrund: Da beim Thema Cannabis als Medizin im Einsatz bei Krebs leider jede Menge Unsinn verbreitet wird, würde ich eigentlich gerne einmal alle Studien, die immer wieder die Runde machen, analysieren. Was eine einzelne Studie aussagen, entscheidet sich an vielen Fragen:

  • Welche Tumorart wurde behandelt?
  • Fand das Experiment in vitro, in vivo oder an echten Menschen statt?
  • Ist es ein Einzelfallbericht oder wie groß war die Gruppe der Patienten?
  • Konnten die Ergebnisse reproduziert werden?
  • Welche Effekte beispielsweise einer gleichzeitig stattfindenden, konventionellen Behandlung wurde berücksichtigt?
  • Welche Typ Studie liegt vor?
  • Welches Cannabinoid wurde wie eingesetzt?
  • Welche Effekte wurden gefunden?
  • Wie relevant ist die Krebsart und wie gut ist die Behandlung derzeit?

Exemplarisch habe ich die Studie „Cannabidiol inhibits human glioma cell migration through a cannabinoid receptor-independent mechanism“ bewertet und auseinander genommen

Studie: Vaccani, A., Massi, P., Colombo, A., Rubino, T., & Parolaro, D. (2005). Cannabidiol inhibits human glioma cell migration through a cannabinoid receptor-independent mechanism. British Journal of Pharmacology, 144(8), 1032–1036. http://doi.org/10.1038/sj.bjp.0706134

Eingesetzes Cannabinoid: Cannabidiol (CBD)

Krebsart: Glioblastoma multiforme (GBM) Weiterlesen

Cannabis - Sicher Medizin!
Cannabis – Sicher Medizin!

Forscher aus Kanada haben in einer landesweiten multizentrischen Studie die Sicherheit von Cannabis als Medikament gegen chronische Schmerzen untersucht. Ein Jahr lang begleiteten sie  Patienten, die täglich Cannabis konsumieren und sich in einem Behandlungsprogramm für ihre Schmerzen befinden. In ihren Ergebnissen, welche im The Journal of Pain veröffentlicht wurden, fanden die Wissenschaftler bei diesen Patienten keine Anstieg von ernsthaften Nebenwirkungen im Vergleich zu Patienten die kein Cannabis gebrauchen.

Die Studie unter der Leitung von Dr. Mark Ware McGill University Health Centre (RI-MUHC) in Montréal wurde an sieben Standorten in den Städten Fredericton, Halifax, London, Montreal, Toronto und Vancouver durchgeführt. Es wurden 215 Cannabis-Patienten untersucht und mit 216 anderen Patienten mit chronischen Schmerzen verglichen. Die Patienten konsumierten durchschnittlich 2,5 Gramm Cannabis mit einem THC Gehalt von 12,5%. Das Cannabis wurde geraucht, vaporisiert oder als Nahrungsmittel zu sich genommen.

Dr. Ware bezeichnet die Studie als die erste und größte durchgeführte Studie zur Langzeitsicherheit von Cannabis in der Schmerztherapie. Sie zeigt eine signifikante therapeutische Wirkung von Cannabis. Es reduziert die Schmerzen, hebt die Stimmnug und steigert die Lebensqualität. Gleichzeitig wurde kein ernsthaften Nebenwirkungen gefunden, beispielsweise fanden sich keine schädlichen Effekte auf die kognitiven Funktionen. Gefunden wurden wenig schwere Nebenwirkungen wie Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen und – bei der Konsumform Rauchen – Atemproblemen. Weiterlesen

Sendung vom 15.07.2015

Dauer: 03:59 Min.

Verfügbar bis 15.07.2016

Sender: WDR

Cannabis ist bei uns nach wie vor illegal. Es ist aber als Mittel gegen Schmerzen und Krämpfe sehr wirksam. Krebspatienten, Menschen mit MS oder Epilepsie kann Cannabis helfen. Aber die Verschreibung als Medikament ist bisher ein seltener Ausnahmefall, Noch, denn in diesem Jahr sollen eine neues Gesetz Therapien mit Cannabis erleichtern! Wir stellen Ihnen zwei Menschen aus dem Münsterland vor, denen das Cannabis geholfen hat.

Das Video gibt es auch als mp4 zum Downloaden.