Drogenproblem Nummer 1: Alkohol
Drogenproblem Nummer 1: Alkohol

Dr. Adrian Phillips, Direktor für öffentliche Gesundheit in Birmingham hat ausgesprochen was wissenschaftlich und fachlich evident, aber politisch und gesellschaftlich ignoriert wird: Die Droge Alkohol verursacht mehr Schäden als alle anderen Drogen. In einem Artikel im Sutton Coldfield Observer stößt sich Dr. Philips an den Überschriften zu „Hippy Crack“ und anderen „Legal Highs“, die legal verfügbar sind. Seine Sorge bei der Öffentlichen Gesundheit gilt klar dem Alkohol: „Alcohol causes major health problems, destroys families and costs the Birmingham economy around £30 million a year“.

Ein Viertel der Männer und mehr als jede Sechste Frau in Birmingham tränken mehr als die empfohlene Menge Alkohol. In den Spitzenzeiten stünden bis zu 70% der Einlieferungen in Unfall- und Notfalleinrichtungen mit Alkohol in Verbindung. 3600 Fälle häuslicher Gewalt seien mit Alkohol verbunden. 20000 Kinder sind von Alkoholproblemen ihrer Eltern betroffen und Alkohol sei bei mehr als 500 Fälle von Interventionen des Jugendamtes zum Schutz der Kinder „child protection cases“ ein Faktor.

Angesichts der Ausmaße der Probleme im Kontext von Alkohol sind nach Dr. Philips die Problem mit den neuen „Legal Highs“ winzig. Die Zeitung zitiert ihn mit den Worten: Weiterlesen

Carl Hart, Quelle: Simon Fraser University CC BY 2.0
Carl Hart, Quelle: Simon Fraser University CC BY 2.0

Die meisten Konsumenten von legalen und illegalen Drogen werden nicht abhängig. Weder bei Heroin noch bei Crack oder Crystal Meth werden die Mehrzeit der Konsumenten abhängig. Der Anteil derer die eine Abhängigkeit entwickeln liegt je nach Droge bei 10% bis 25%. Dies schreibt Dr. Carl Hart hat in seinem äußerst lesenswerten Buch „High Prices“. Seine These hat der Professor für Psychologie und Psychatrie an der Columbia University mit mehreren Quellen belegt. Eine davon ist „Comparative Epidemiology of Dependence on Tobacco, Alcohol, Controlled Substances, and Inhalants: Basic Findings From the National Comorbidity Survey“, erschienen in Experimental and Clinical Psycho pharmacology 1994. Vol. 2, No. 3, 244-268, veröffentlicht von James C. Anthony, Lynn A. Warner, and Ronald C. Kessler Der erste Autor arbeitet am Addiction Research Center, einer Einrichtung des National Institute on Drug Abuse, die über jeden Zweifel Drogen zu verharmlosen erhaben ist. Weiterlesen

Der Einsatz von Cannabis als Medizin findet eine immer breitere Verwendung. In Teilen der USA, in Kanada und in Israel haben inzwischen ein relevanter Anteil derer, die von Cannabis profitieren könnten, einen realen Zugang. In Deutschland kommen bei der medizinischen Versorgung der Bevölkerung mit Cannabis und Cannabinoiden auf ein Potenzial von über einer Millionen Menschen etwa 5000-10000 Menschen, die eine Therapie mit Dronabinol oder Sativex erhalten und etwa 500 Personen mit einer Ausnahmeerlaubnis zur Verwendung von Cannabisblüten aus der Apotheke. Ursachen hierfür sind:

Patienten und Ärzte wissen nicht
• dass ihnen Cannabis helfen kann
• welche Möglichkeiten es für den Einsatz gibt und
• wie eine Ausnahmegenehmigung zu beantragen ist

Patienten finden keine Ärzte, Ärzte erhalten kein Wissen und die Politik verbessert die Rahmenbedingungen nicht.

Mit der Broschüre „Cannabis als Medizin – Ein Ratgeber für Patienten“ habe ich über meine Arbeit beim Deutschen Hanf Verband hier eine Lücke schließen können. Dr. Franjo Grotenhermen von der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin hat nun mit ein Video für die Zielgruppe „Ärzte“ veröffentlicht. In der Beschreibung zu dem Video auf Youtube spricht er seine Kollegen direkt an:

Liebe Kollegin, lieber Kollege,
in diesem Film möchte ich Ihnen kurz erläutern, welche Möglichkeiten zum legalen medizinischen Einsatz von Cannabisprodukten in Deutschland bestehen und erläutern, auf welche Aspekte aus ärztlicher Sicht zu achten ist, damit Ihr zeitlicher Aufwand überschaubar bleibt, wenn Sie einen Patienten entsprechend behandeln möchten. Weiterlesen

Cannabis als Medizin - Bis auf weiteres für viele unerschwinglich
Cannabis als Medizin – Bis auf weiteres für viele unerschwinglich

Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler hat klammheimlich ihre Ankündigung für eine Kostenübernahme von Cannabis als Medizin ab dem Jahr 2016 revidiert. Anfang des Jahres hieß es noch „Das Gesetz solle noch dieses Jahr durch den Bundestag, damit es ab nächstem Jahr greife“.

Im Mai versah Mortler ihre Ankündigungen noch mit dem Attribut „zeitnah“: „Ich bin zuversichtlich, dass wir zeitnah eine entsprechende Reglung auf den Weg bringen werden.“

Im Juni kam mit einer Antwort der Drogenbeauftragten auf abgeordnetenwatch.de ein deutliche Relativierung dieser Ankündigung: „Eine solche Gesetzesinitiative wird derzeit im Ministerium vorbereitet, sie soll spätestens 2016 verabschiedet werden.“

Gegenüber der WELT erklärte sie im Juli: „die genaue Gesetzesformulierung im Detail noch diskutiert“ – Angaben zum Wann sind in diesem Artikel nicht zu finden.

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Die Hanfparade 2015 - Ein imposanter Anblick beim Überschreiten der Spreebrücke der Friedrichsstraße
Die Hanfparade 2015 – Ein imposanter Anblick beim Überschreiten der Spreebrücke der Friedrichsstraße

Damit ich für meine Rede auf der Hanfparade 2015 vor dem Bundesministerium für Gesundheit noch einermaßen frisch zu sein, fuhr ich vom Washingtonplatz mit der S-Bahn zur Friedrichstraße. Dort wartete ich auf die Ankunft des Demonstrationszugs der Hanfparade. Durch die Brücke über die Spree hat man vom Friedstadt-Palast keine durchgehende Sicht auf die Friedrichstraße vom S-Bahnhof kommend. Deswegen konnte ich den imposanten Anblick der über die Brücke kommenden und damit erscheinden Hanfparade genießen. 10 Minuten konnte ich filmen, danach beendet mein Handy leider immer die Aufnahme. Dies hatte ich leider vergessen, sonst wären noch weitere 10 Minunten mit Menschenmassen dokumentiert worden. Es war sehr beeindruckend wie als noch weitere Hanffreunde kamen, auch nach dem Putztrupp der BSR strömten immer weiter Demonstraten der Hanfparade auf den Platz vor dem Gesundheitsministerium und Sitz der Bundesdrogenbeauftragten.

Hier einige Bilder von mir von der Hanfparade 2015 am 08.08.2015 in Berlin. Neben dem Wagen der teilnehmenden Parteien…

Plakat "Weniger Kriminalität - Mehr Gerechtigkeit - Legalize it" auf dem Auto der Piratenpartei
Plakat „Weniger Kriminalität – Mehr Gerechtigkeit – Legalize it“ auf dem Auto der Piratenpartei

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Frank Tempel auf Hanfparade 2015 (Bild: Frank Tempel Facebook)
Frank Tempel auf Hanfparade 2015 (Bild: Frank Tempel Facebook)

In einer schriftliche Fragen fragte in der Abgeordneter Frank Tempel (DIE LINKE.): „Was hindert die Bundesregierung daran die Lieferengpässen bei Medizinal Cannabisblüten zu erfassen?“ Auf der Website gibt es zudem ein Posting zu dieser Anfrage. Hier die vollständige Frage sowie die Antwort aus der Bundesgierung aus Drucksache 18/5633 vom 24.07.2015:

Was hindert die Bundesregierung daran, die Daten der Patientinnen und Patienten mit einer Ausnahmegenehmigung zur medizinischen Verwendung von Cannabis (etwa die vom Arzt durch die Apotheken angeforderte monatliche Höchstmenge an Cannabis oder die von den Patientinnen und Patienten halbjährlich angegebene Verbrauchsmeldung) mit den Daten der Firmen, welche die      aus den Niederlanden nach Deutschland importieren und folglich die importierten Mengen beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) dokumentieren müssen, zusammenzuführen, um die bisher fehlende statistische Erfassung von Lieferengpässen (vgl. Antwort der Bundesregierung zu Frage 26 auf Bundestagsdrucksache 18/4539) im Sinne der zukünftigen Verbesserung der Versorgungslage für schwerstkranke Patientinnen und Patienten zu vermeiden?

Antwort der Parlamentarischen Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz Weiterlesen

5_Prohibition_Disposal(9)
Prohibition – Ein gescheiterter Ansatz zur Alkoholprävention

In einer Studie mit 5700 Männer mit einem Durchschnittsalter von 20 Jahren in der Schweiz wurde die Wirksamkeit von gesetzlichen Massnahmen zur Alkoholprävention geprüft. Das Ergebnis: „Je mehr gesetzliche Massnahmen zur Alkoholprävention in einem Kanton in Kraft sind, desto weniger junge Männer trinken übermässig. Dies gilt jedoch nicht für Konsumenten mit einer Tendenz zu risikoreichem oder antisozialem Verhalten.“ heißt es in der Pressemitteilung „Alkoholgesetze wirken bei jungen Männern präventiv“ der Universität Zürich vom  29.07.2015. Damit versagen allgemeine Maßnahmen gerade bei den besonders gefährdeten Hochrisikogruppen :-/

Hier die Liste der gesetzlichen Maßnahmen, beginnend mit der am seltensten genutzte Option:

  • Prohibition of the dissemination of alcohol to underage people by people with legal access to alcohol
  • Special protection measures for adolescents
  • Restrictions on when alcohol can be sold
  • Special turnover tax for on- and off-premise alcohol sellers
  • Restrictions on alcohol advertisements
  • Restrictions on where alcohol can be sold
  • Probes of purchases by underage persons to enforce underage drinking laws
  • Syrup regulation b

a) These measures included particularly restricting the serving of adolescents at on-premise outlets in the evening and at night and increasing the national minimum legal drinking age.
b) This regulation states that on-premise outlets must provide at least one non-alcoholic beverage sold cheaper than the cheapest alcoholic drink.

 

Die Studie: Simon Foster, Leonhard Held, Natalia Estévez, Gerhard Gmel, and Meichun Mohler-Kuo. Liberal alcohol legislation: Does it amplify the effects among Swiss men of person-related risk factors on heavy alcohol use? Addiction. July 29, 2015. doi:10.1111/add.13032

Christine_Kaufmann,_SchauspielerinDie Schauspielerin Christine Kaufmann ist die dritte Person in meiner Liste „Prominente deutschsprachige Cannabiskonsumenten“. Ihre größeren Erfolge waren die Filme Stadt ohne Mitleid (1961) und Wie ein Blitz (1970), ihre Filmografie ist ausgesprochen lang. Angesichts der Jahreszahlen wundert es mich nicht sie nicht zu kennen.

„Ich finde es erschütternd, dass in Deutschland jede Art von Ehrlichkeit übel genommen wird. Der Fall Wickert zeigt deutlich, dass man nicht gleich ein Junkie wird, wenn man mal geraucht hat. Wer damals kein Hasch geraucht hat, an dem ist diese tolle Zeit vorbeigegangen. Ich habe interessante Erfahrungen damit gemacht und möchte sie nicht missen. Heute rauche ich nicht mehr, weil ich in meinem Alter am nächsten Morgen nicht mehr aus dem Bett kommen würde.“

Quelle ist der Hasch Report der Zeitung Max, vermutlich die Aprilausgabe 2001 – zumindest stammt aus dieser Ausgabe eine häufig genutzte Liste kiffender Promis.