Hier einige Gedanken zur Frage: Wenn unsere Idee einer alternativen Drogenpolitik so gut ist, warum ist sie noch immer keine Realität?

Zur Sinnhaftigkeit einer andere Drogenpolitik, sei es „nur“ etwas mehr Akzeptanz in der Prävention und Therapie, Entkriminalisierung von Konsumenten oder ein kompletter Paradigmenwechsel, ist eigentlich alles gesagt. Die fatalen „unbeabsichtigten Nebenwirkungen“ der heutigen Politik sind offenkundig, an Vorbildern und Beispielen mangelt es nicht, ebenso wenig an alternativen Konzepten und Evidenz. Warum aber wurden diese Ideen nicht so wirkmächtig um einen Wandel zu bewirken?

Zweifelsfrei gab es einen sanften Wandel in der Drogenpolitik, der Katalysator war damals HIV und das blanke öffentliche Elend. Die Verbotslogik und das Abstinenzdogma hat Regierungs- und Jahrtausendwechsel überlebt, eine ernsthaft breite Debatte gab es hierzu nie. Auch die relative Aufmerksamkeit die das Thema Cannabis derzeit erfährt, ist ein hoffnungsvolles Zeichen, aber (noch ?) nicht mit den breiten Diskussionen zwischen Wiedervereinigung und dem Ende der Kohlära zu vergleichen.

In Deutschland wird die Politik von den Medien, den Parteien und den Interessensverbänden bestimmt. Die deutschsprachrigen Medien leisten der Auflage willen ihren Beitrag an der Verfestigung des Status Quo, Aufklärung kann man sich von ihnen kaum erhoffen. Aufgrund seiner außergewöhnlich und positiven Rolle sei für den englischsprachigen Raum der Guardian genannt. Ein Wandel ist hier durch das Aufkommen einer zivilgesellschaftlichen getragenen digitalen Öffentlichkeit und Medienlandschaft aus Blosg & Facebook andeutungsweise zu erkennen.

Die öffentliche Meinung zum Thema Drogen ist deutlich weiter als die Politik, 40% sind für eine Legalisierung von Cannabis, eine Mehrheit ist für eine liberaleres Cannabisrecht. Selbst würde man den drogenpolitisch progressivsten Parteien nur die besten Absichten bei ihrer Programmerstellung unterstellen, LINKE, Grüne und Piraten zusammen erreichen nicht einmal eine rechnerische Mehrheit und ihre Wirkmächtigkeit verhält sich umgekehrt proportional zum Willen ihrer Führung das Thema Drogenpolitik offensiv anzugehen.

Was also fehlt der progressiven Drogenpolitik? Wenn Parteien und Medien als treibende Kraft ausfallen, muss die Antwort eine wirkungsmächtige Interessensvertretung sein! Wie diese aussehen und entstehen könnte, dazu mehr im nächsten Blogpost. Spannend ist die Frage ob man von der Emanzipation der Homosexuellen etwas lernen kann, da deren Problemlage damals weißt einigen Parallelen zur heutige Lager von Drogenkonsumenten auf.

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