Die Quelle für die folgenden Informationen ist das Bundeslagebild Rauschgift 2003 des BKA. Ähnliche Daten finden sich auch im Bundeslagebild 2004 – in den darauf folgenden Berichten findet sich das Stichwort Rauschgift nicht mehr, warum ist mir erstmal ein Rätsel, ich werde mal beim BKA nachfragen.

BKA für zentrale Auswertung zuständig

Das BKA liefert neben statischem Datenmaterial über die Rauschgiftkriminalität wie die Zahl der Beschlagnahmungen und Angaben über gefundene Chemikalien in Drogenlaboren die Ergebnisse der zentralen Auswertung der Analysen der kriminaltechnischen Laboratorien der Landeskriminalämter und des Bundeskriminalamtes. Diese untersuchten die Inhaltsstoffe, den Wirkstoffgehalt und enthaltene (Streck)mittel. Es wird zwischen Zusätze und Verschnittmittel unterschieden, in die erste Kategorie fallen „alle Substanzen, die pharmakologisch wirksam sind“, es wird auch erwähnt dass diese Zuordnung nicht immer zweifelsfrei möglich ist und Substanzen im Zweifelsfall als Verschnittmittel eingeordnet werden. Ferner wurde im Bericht 2003 Stoffe fett gekennzeichnet erstmalig seit dem Beginn der EDV-unterstützten Auswertung 1996 gemeldet wurden, ich habe die Markierung übernommen. Ich würde noch eine zusätzliche Unterteilung der Verschnittmittel vornehmen, funktionale und nicht funktionale. Erstere verändern beispielsweise den Geschmack der Droge um eine höhere Qualität vorzutäuschen, zweitere erhöhen nur das Volumen. Zudem gibt es eine weitere Kategorie, die sich mitunter auch mit den anderen überschneidet, und zwar die Nebenprodukte und Reste von Hilfsmitteln bei der Drogenproduktion, also der Extraktion von Kokain aus den Cocablätern, der Veredelung von Morphin zu Heroin und der Synthese von Amphetaminen und ähnlichen Substanzen. Zu den einzelnen Streckmitteln und ihren möglichen Funktionen sowie den in Drogenlaboren gefundenen Stoffe werde ich einen Extraartikel schreiben.

Statistik: Sicherstellungsfälle und Datensätze

Detaillierte Informationen über Streckmittel gibt es für Kokain, Heroin und Amphetamin sowie einige wenige Informationen bei Ecstasy. Für die ersten drei genannten Drogen gab es 6138, 3822 und 3841 Sicherstellungsfälle. Ferner wird die Zahl der Datensätze der Analysen erwähnt, falls zu dem Sicherstellungfall ein Datensatz gehört ergeben sich folgende, relativ hohe Auswertungsquote: Heroin 3858 Fälle = 63%, Kokain 2100 = 55% und Amphetamin 1430 = 37%.

Heroin

Bei Heroin sind Coffein und Paracetamol die primären Verschnittstoffe, mit einer Fundquote von 99,4% bzw. 94%. Ferner wurde mit einer Häufigkeit von 4,6% Griseofulvin gefunden, sowie Glucose, Glycerin, Stärke/Mehl und Sorbit, in jeweils weniger als einem Prozent der Proben. Zusätze waren allgemein seltener: Lactose (3,6 %), Mannit (2,3 %) und Saccharose (1,3 %) sowie mit einer Häufigkeit von unter <1%: Procain, Phenobarbital, Diazepam, Phenazon, Ascorbinsäure, Phenolphthalein, Acetylsalicylsäure, Kokain, Salicylsäure/Salicylat, Alprazolam und Theobromin.

Kokain

In Kokain finden sich neben den Verschnittstoffen Lactose (61%) Mannit (20%), Inosit (7%) deutlich häufiger pharmakologisch wirksame Zusätze wie Lidocain (33%), Phenacetin (19%), Coffein (8%) und Procain (5%). Ferner wurden seltenen Zusätze (unter 1% wenn nicht anders angegeben) Paracetamol (1,2%), Benzocain, Ephedrin, Acetylsalicylsäure, Piracetam, Amphetamin, Ascorbinsäure, Salicylsäure/Salicylat, 3,4-Methylendioxymetamphetamin (MDMA), Methamphetamin, Ibuprofen, Ketamin, Pholedrin und Oxybuprocain sowie die Verschnittmittel Glucose (3,6%), Saccharose (1,7%), Benzoesäure, Citronensäure, Kreatin, Cellulose, Dimethylphthalat, Dimethylterephthalat, Methylterephthalat, Terephthalsäure, Fructose, Kaolin, Gluconsäure, Natriumhydrogencarbonat, Borsäure/ Borat, Sorbit und Stärke gefunden.

Amphetamin

Bleibt zuletzt noch Amphetamin, hier wurde primär Coffein (59%) zugesetzt und mit Lactose (70%) gestreckt. Weitere Funde waren, Methamphetamin (2,7 %), Amitryptilinoxid (1,1 %) und Paracetamol (1,1 %) Ephedrin, Lidocain, Acetylsalicylsäure, Ascorbinsäure, Kokain, Salicylsäure/Salicylat, Ibuprofen, Phenacetin, 2-Phenylethylamin, Ketamin, Chinin, Chloramphenicol, Piracetam und Thiamin als Zusätze und als Verschnittstoffe waren es Glucose (9%), Mannit (5%), Kreatin (3,6%), Saccharose (1,9%), Stärke, Sorbit, 1-Phenylethylamin, Inosit, Natriumsulfat, Calciumcarbonat, Natriumcarbonat, Citronensäure, Kreatinin und Galactose.

Kaum Informationen über Ecstasy

Für Ecstasy liegen im BKA Bericht keine detaillierten Informationen über Zusatz. und Verschnittstoffe vor, es wird nur über die Zusammensetzung aus unterschiedlichen Amphetaminderivaten und deren jeweilige durchschnittlichen Vorkommen berichtet. Deswegen lasse ich Ecstasy erstmal beiseite, ich werde in kommenden Artikel darauf zurückkommen, hier hat sich in den letzten Jahre auch jede Menge getan, das Zeitalter von Ecstasy ist leider vorbei, ein Szenekenner meinte sogar er würde Leuten inzwischen pauschal von Pillen abraten.

Wie weiter mit der Artikelserie

Im nächsten Artikel wird es sich um PMMA und anderen Zusätzen in Ecstasy, Entwurmungsmittel in Kokain, Strychnin & Milzbrand in Heroin sowie Cadmium und Glas & Blei in Cannabis drehen, in weiteren Blogposts um die Cannabisqualität in den Niederlanden, die üblicheren Streckmittel in Marihuana wie Brix sowie dem Ausmass des Phänomens, dem politischen Umgang mit dem Streckmittelphänomen, Verunreinigungen in Alkohol und Tabak, die Idee des Drug Checkings in Theorie und Praxis, Erfahrungen und Analyseergebnisse, dem „Ende von Ecstasy“ sowie um Ansätze weitere Informationen zu dem Thema zu erhalten.

Ein Gedanke zu „Dreckige Drogen – Was weiß die Polizei?

  1. Reinheitsgebote für Drogensubstanzen sind für gelegentlich oder dauerhaft konsumierende Gebraucher in gesundheitlicher Hinsicht die beste Prävention gegen Nebenwirkungserkrankungen. Topgeprüfte Qualitäten kann es also nur im lizensierten Drogenfachhandel geben.
    Vielleicht wäre das künftig eine gute Nebenerwerbsquelle für das BKA? 😉

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