Alternative Drogenpolitik

Studie zum Einsatz von Cannabidiol bei Hirntumoren – Kurzvorstellung

Cannabis kann bei Krebs helfen, aber nur in einigen Fällen auch gegen die Erkrankung selbst
Cannabis kann bei Krebs helfen, aber nur in einigen Fällen auch gegen die Erkrankung selbst

Zum Hintergrund: Da beim Thema Cannabis als Medizin im Einsatz bei Krebs leider jede Menge Unsinn verbreitet wird, würde ich eigentlich gerne einmal alle Studien, die immer wieder die Runde machen, analysieren. Was eine einzelne Studie aussagen, entscheidet sich an vielen Fragen:

Exemplarisch habe ich die Studie „Cannabidiol inhibits human glioma cell migration through a cannabinoid receptor-independent mechanism“ bewertet und auseinander genommen

Studie: Vaccani, A., Massi, P., Colombo, A., Rubino, T., & Parolaro, D. (2005). Cannabidiol inhibits human glioma cell migration through a cannabinoid receptor-independent mechanism. British Journal of Pharmacology, 144(8), 1032–1036. http://doi.org/10.1038/sj.bjp.0706134

Eingesetzes Cannabinoid: Cannabidiol (CBD)

Krebsart: Glioblastoma multiforme (GBM)

Informationen zu GBM: Häufigste und aggressivste Form von Hirntumoren. Diese Krebsart stellt 50% der Hirntumore und 20% aller Tumore innerhalb des Schädels. GBM ist eine seltene Erkrankung mit 2-3 Fällen pro Jahr auf 100.000 Einwohner in Europa und Nordamerika. Die Häufigkeit von allen Krebserkrankungen liegt in Deutschland etwa bei 400 Fällen pro Jahr und 100.000 Einwohner, die standardisierte Sterblichkeit bei etwa 160 Fällen. Besonders häufig betroffen sind weiße ältere Männer. Die Überlebensaussichten sind bei GBM im Vergleich zu anderen Krebsarten sehr schlecht. 50% der Patienten versterben innerhalb von einem Jahr nach der Diagnose, nach drei Jahren beträgt die Sterblichkeit 90%. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 15 Monaten bei einer Behandlung, unbehandelt sind es wenige Monate. Eine Behandlung ist bei Tumoren im Gehirn generell schwierig da das Organ selbst sehr verletzlich gegenüber den konventionellen Therapieformen ist, sich kaum selbst reparieren kann und die meisten Medikamente die Blut-Hirn-Schränke nicht überwinden können.

Quelle: Wikipedia deutschsprachig und englisch

Art des Untersuchungsobjekts: In Vivo

Untersuchungsobjekt: Menschlichen Glioma Zellen der Zelllinie U87

Effekt: Das CBD hemmte die Migration der Krebs innerhalb des Gehirns.

Bedeutung des Effekts: Einzelne Tumorzelle durchwandern infiltrativ das gesunde Gehirngewebe außerhalb des Tumors, damit ist praktisch unmöglich den Tumor durch eine neurochirurgische Operation vollständig zu entfernen. Die positive Wirkung des migrationhemmenden Effekts wurde bereits in einer randomisierten klinischen Studien der Phase II mit dem Wirkstoff APG101 erfolgreich geprüft. Frühere Verbesserungen bei der Entfernung der Tumoren haben zu einer deutlichen Verbesserung der Prognose bei dieser Erkrankung geführt. Neue Behandlungsformen bei GBM sind Gegenstand intensiver Forschung.

Fazit: CBD ist ein weitere Kandidat – neben mindestens einem weiteren Wirkstoff, der deutlich besser erforscht ist, für den einen Ansatz, Minderung der Migration der Tumorzellen, zur Verbesserung der neurochirurgischen Behandlung. Diese Behandlungsform war in der Vergangenheit wichtig für die Verbesserung der Prognose bei dieser Erkrankung, wenngleich andere Ansätze auch auf eine Heilung statt „nur“ einer Verbesserung zielen. Die Bedeutung dieser Studie alleine ist eher mäßig, auch aufgrund der relativen Seltenheit der Krebsform. Insgesamt Cannabis bei Hirntumoren des Typs GBM erst zusammen mit anderen bereits beobachten Effekten relevant.

Mehr Informationen zum Thema Cannabis und Gliom finden auf der Website von GW Pharmaceuticals. Auf der Website gibt GW aucn an noch in der preklinischen Forschungsphase zu sein. Gliome sind neben Brust- und Prostatakrebs die Forschungsschwerpunkte der Firma im Bereich der Onkologie.

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