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Die Geschichte und Gegenwart der Drogenpolitik ist geprägt von Rassismus. Seit dem Beginn der modernen Drogenpolitik vor etwas mehr als 100 Jahren wurde der Drogenkonsum der „Anderen“ immer wieder dämonisiert. Im Namen des moralischen und gesundheitlichen Schutzes der weißen Mehrheitsgesellschaft vor dem verderblichen Einfluss dieser Drogen werden bis heute diskriminierende und menschenverachtende Repressionsmaßnahmen gerechtfertigt.

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Tödlich sind nicht die Drogen, sondern der Krieg gegen sie

Drogenpolitik ist für viele ein Randthema; ein wenig „Gebt das Hanf frei“ hier, einige saufende Jugendliche dort und eine ewige Debatte über die Heroinabgabe an einige tausend Junkies. Global betrachtet, ist ihre Bedeutung weitaus größer – in einigen Ländern der Welt ist Drogenpolitik zu einer der fundamentalen Fragen der Politik geworden. Die Folgen der derzeitigen globalen Drogenverbotspolitik sind dort kaum zu übersehen. In Mexiko, Kolumbien oder jüngst in Jamaika kämpfen inzwischen die Drogenkartelle offen gegen die Regierungen und um die Macht im Staat. Die Folgen für die demokratischen Systeme sind verheerend: Sei es die grassierende Korruption, die den mexikanischen Präsidenten Felipe Calderón dazu brachte, die Polizei mancherorts durch SoldatInnen zu kontrollieren bzw. ganz zu ersetzen, sei es die Übernahme ganzer Stadtviertel durch Drogenbanden oder die Nichtahndung unzähliger Menschenrechtsverletzungen durch den Staat im Drogenkrieg.
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Mephedron wurde in Deutschland sowie Großbritannien verboten – trotzdem dem Protest von Expertinnen, wie denen des ACMD – worauf zwei weitere Mitglied beschlossen. Nun hat meldet das Psychonaut Research Project: Der Nachfolger von Mephedron wird bereits im Internet beworben: MDAI – eine weitere „research drug“ ähnlich MDMA.

Quelle: New drug set to replace banned mephedrone as a ‚legal high‘,
Mark Townsend, The Observer, Sunday 18 April 2010

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Über das Stereotype des “tabakhandelnden Juden” schrieb ich ja bereits. Heute habe ich noch einen etwas älteren aber noch immer interessanten Artikel zum Thema Drogendealer und die Analogien zur antisemitischen Stereotype gefunden. Der Text trägt den Titel Dealer, anständige Bürger und die Dirty Work und ist von der junge linke gegen Kapital und Nation. Hier der entsprechend Abschnitt:

Über VerschwörungstheoretikerInnen und die Dynamik der Hatz

Zum Abschluß zusammengesetzt ergibt sich ein außergewöhnlich kompaktes Feindbild Dealer, daß in seiner strukturellen Beschaffenheit bemerkenswert viele Analogien zur antisemitischen Stereotype der Moderne aufweist, was Erklärungsmacht für massenbegeisternde Dynamik insofern beinhalten kann, als daß sich der moderne Antisemitismus von seinen historischen Grundlage, den Juden als kultureller Einheit, losgelöst hat.(7)
Der analoge Ausgangspunkt beider Feindbilder liegt darin, die Ursache von Mißständen in etwas Besonderem zu lokalisieren, so z.B. die Weltwirtschaftskrise 1928 ff. nicht im an sich prekären Verwertungsprozeß, sondern in herbeihalluzinierter jüdischer Allmacht, die „Drogentoten“ und Opfer in den Anbauländern nicht in der Prohibition, sondern im niederen Wesen der Händler.
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Vor einer Weile schrieb ich: Hunderttausende GIs konsumierten während des Vietnamkrieg Heroin und kamen mitunter abhängig nach Hause. Heute warnt der US-Veteranenverband VA vor einer Wiederholung der Geschichte, bleibt abzuwarten wann die ersten Deutschen mit der „Soldatenkrankheit“ (Alte Bezeichnung für Morphinismus) oder einem Kilogramm Heroin oder schwarzem Afghanen im Gepäck nach Hause kommen. Letzte Woche wurde aus der Spekulation bezüglich der Bundeswehr Realität, der Berliner Kurier titelt: „Heroin-Schmuggel im Bundeswehr-Flieger? Zuliefer-Firma, die im Auftrag der Armee arbeitet, soll Drogen-Ring gehören“

PS: Die Befürchtungen des Veteranenverband VA sind schon längst (2007) wahr geworden: Amerikas Kämpfer kehren als Junkies zurück

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Meine erste Meldung beim DHV vom 12.11.2009

Seit zwei Wochen tobt in der britischen Drogenpolitik ein Streit über den Umgang der Regierung mit aus ihrer Sicht unbequemen Wissenschaftlern. Während der Einfluss von drogenpolitischen Beratungsgremien in Deutschland eher gering ist, gibt oder zumindest gab es dort bis zu diesem Zwischenfall die Tradition, den Empfehlungen des Advisory Council on the Misuse of Drugs (ACMD) einen hohen Stellenwert bei politischen Entscheidungen zukommen zu lassen.
Beim DHV weiterlesen

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In meinen SPUNK Artikel „Drogen in der Menschheitsgeschichte“ schrieb ich:
„In Deutschland fiel der Beginn einer eigenständigen nationalen Drogenpolitik in die Zeit der Machtergreifung durch Hitler. Die Geburt der deutschen Drogenpolitik erfolgte aus dem Geist der Rassenhygiene. Das Rechtsgut der zu schützenden „Volksgesundheit“ prägt das Drogenrecht bis heute. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Feindbild des tabakhandelnden Juden durch das des rauschgiftdealenden Südländers ersetzt, das Personal im Gesundheitsministerium und Bundeskriminalamt blieb das gleiche.“

Ein Kollege meinte nun dass ihm das Stereotyp des „tabakhandelnden Juden“ bisher unbekannt war und vermutet eine sträfliche Vernachlässigung der Sozialforschung. Recht hat er! Weiterlesen

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„Drogen(1) sind Genussmittel, wenn sie mäßig und kontrolliert genossen werden. Drogen sind medizinisch indizierte Hilfsmittel zur Bewältigung psychischer Probleme, Drogen sind Betäubungsmittel zur Linderung von körperlichem Schmerz, Drogen sind Suchtmittel, wenn der Konsum außer Kontrolle gerät; Drogen sind Zahlungsmittel im Netzwerk der organisierten Kriminalität, Drogen sind Druckmittel zur Durchsetzung autoritärer ‚law and order‛-Strategien.“ – Günter Amendt

Der Rausch ist so alt wie die Menschheit (2)

Der Konsum von Genuss- und Rauschmitteln ist schon so alt wie die Menschheit selbst. Die sehr gut erhaltenen Höhlenzeichnungen in der Chauvet-Höhle (Südfrankreich) aus dem Jahr 30.000 vor unserer Zeitrechnung zeigen neben bekannten Tieren auch psychedelische („bewusstseinserweiternde“) Figuren. In den verwendeten Farben wurde das Manganoxid gefunden, welches giftig ist und Halluzinationen hervorrufen kann. ArchäologInnen deuten die Grotte als Ort schamanischer Kulte und Rituale. Ebenfalls aus der Steinzeit überliefert sind uns Hinweise auf den Konsum von Fliegenpilzen und anderen psychotropen („das Bewusstsein bewegenden“) Rauschpilzen, Cannabis, Tabak, Alkohol sowie Schlafmohn für sakrale („heilige“) und hedonistische („Lust erweckende“) Zwecke.

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Die KonsumentInnen von Heroin stellen die meistgefährdende Gruppe bezüglich AIDS und anderen Infektionskrankheiten

Während bei normalen HIV-Neuinfektionen mangelnde Aufklärung oder schlichte Verantwortungslosigkeit eine wichtige Rollen spielen – hier sei nur einmal an die Barebacking Debatte erinnert – sieht die Situation bei HeroinkonsumentInnen anders aus. Ihr Risikoverhalten ist ein Ergebnis der Drogenprohibition und Reaktion auf staatliche Sanktionsmaßnahmen. Die etwa 8% (Schätzung Robert Koch-Institut) der Neuinfektionen, die sich auf den intravenösen Konsum von Drogen zurückführen lassen, wären mit einfachsten Mittel zu verhindern; die Hauptursache für die Infektionen sind Beschaffungsprostitution sowie Haftstrafen.

Heroinabhängige Frauen und Männer stellen im Bereich Prostitution eine sozial besonders benachteiligten Gruppe dar, deren Notsituation bewusst ausgenutzt wird. Sie stellen mitunter die unterste Ebene im Rotlichtmilieu mit einem deutlich erhöhten Risiko, Opfer von sexueller Gewalt und Misshandlungen zu werden. Das Risiko einer Infektion mit HIV ist hier entsprechend hoch.

Drogenkonsum in Gefängnissen ist eine Realität. In Hamburg beispielsweise haben zwei Drittel der Konsumenten und immerhin 40 Prozent der Konsumentinnen harter Drogen Hafterfahrung. Verurteilt wurden sie in der Regel wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz und aufgrund von Beschaffungskriminalität. Doch während HeroinkonsumentInnen in Freiheit noch saubere Spritzen und Hilfsangebote erhalten können, stellt ein Haftaufenthalt eine große Gefahr für sie dar: Während die Droge selbst im Gefängnis relativ gut verfügbar ist, sind Spritzen Mangelware.

Spritzenautomaten wurden trotz großer Erfolge unter anderem in Hamburg wieder abgebaut. Je härter die Maßnahmen sind, die ergriffen werden, um das Gefängnis „drogenfrei“ zu machen, desto mehr Gefangene teilen sich eine dreckige und stumpfe Spritze. Gerade für junge und noch gesunde KonsumentInnen stellt die Haft einen schwerwiegenden Hygieneeinbruch dar. Aufgrund des Mangels an sauberen Spritzen wirken Gefängnisse als Durchlauferhitzer für Infektionskrankheiten. Die Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin fordert deswegen: „In den Einrichtungen der Justiz ist die Verweigerung der suchtmedizinischen Betreuung drogenkonsumierender Inhaftierter aufzuheben. Safer-Use Programme, Ersatzstoffbehandlung, Drogenberatung und Ausstiegshilfen müssen jedem Inhaftierten zur Verfügung stehen.“

Die Lösung der Probleme besteht in einer Entkriminalisierung von Drogenkonsumentinnen und ausreichend Drogenhilfeangeboten. Wer Probleme mit Heroin hat, braucht keine Gefängnisstrafen, sondern akzeptierende Hilfe und die Möglichkeit ein Substitutionsbehandlung – in Zukunft vielleicht auch endlich mit Heroin – zu erhalten. Dies würde zu einem massiven Rückgang der Beschaffungskriminalität und -prostitution und damit der Neuinfektionen führen.

Maximilian Plenert ist 23 Jahre und studiert in Heidelberg Physik. In der GRÜNEN JUGEND leitet er das Fachforum Drogen und ist wütend über die tödlichen Auswirkungen der Prohibition.
Erstmals erschienen auf gruene-jugend.de