War on Drug is War on People, Culture and Environment

„Ich glaube, der erste Schritt zu einer realistischen Lösung des weltweiten Drogenproblems muss darin bestehen, das Scheitern der Methoden anzuerkennen, womit man dieses Übel zu bekämpfen versucht. Mehr noch als die Drogen sind es die Methoden, welche die meisten Probleme verursacht, erschwert oder verschärft haben. Darunter haben sowohl die Produzenten, als auch die Konsumentenländer zu leiden.“ Mit diesen Worten beginnt ein Manifest des kolumbianischen Literaturnobelpreisträgers Gabriel García Márquez aus dem Jahr 1993. Darin beschreibt er seine südamerikanische Sichtweise auf den War on Drugs und wie US-Präsident Ronald Reagan seiner Heimat die angeprangerten, aggressiven und repressiven Methoden aufzwang. Schon die ersten internationalen Drogenverträge waren Beschlüsse westlicher Nationalen, meist Kolonialmächte. Deren weltweite Durchsetzung, der sich die USA im besonderen verschrieben haben, war und ist der Versuch einer westlichen Hegemonie beim Umgang mit Drogen.
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Auf globaler Ebene spielte bis zu ihrem Tod in diesem Jahr die Russin Tatyana Borisovna Dmitrieva eine wichtige Rolle.

Die Medizinerin war seit 2003 Mitglied im International Narcotics Control Board der UN, welches neben dem UNODC das weltweit obersten Gremium in der Drogenpolitik ist. Sie wurde 1951 in Ivanovo geboren, an der dortigen Ivanovo State Medical University erwarb sie 1975 einen Abschluß in Psychatrie. Später folgten einen Doktortitel (1990) und eine Professur (1993). Neben mehreren wissenschaftlichen Stellen war sie 1996 bis 1998 Gesundheitsministerin Russlands.
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Die Quelle für die folgenden Informationen ist das Bundeslagebild Rauschgift 2003 des BKA. Ähnliche Daten finden sich auch im Bundeslagebild 2004 – in den darauf folgenden Berichten findet sich das Stichwort Rauschgift nicht mehr, warum ist mir erstmal ein Rätsel, ich werde mal beim BKA nachfragen.

BKA für zentrale Auswertung zuständig

Das BKA liefert neben statischem Datenmaterial über die Rauschgiftkriminalität wie die Zahl der Beschlagnahmungen und Angaben über gefundene Chemikalien in Drogenlaboren die Ergebnisse der zentralen Auswertung der Analysen der kriminaltechnischen Laboratorien der Landeskriminalämter und des Bundeskriminalamtes. Diese untersuchten die Inhaltsstoffe, den Wirkstoffgehalt und enthaltene (Streck)mittel. Es wird zwischen Zusätze und Verschnittmittel unterschieden, in die erste Kategorie fallen „alle Substanzen, die pharmakologisch wirksam sind“, es wird auch erwähnt dass diese Zuordnung nicht immer zweifelsfrei möglich ist und Substanzen im Zweifelsfall als Verschnittmittel eingeordnet werden. Weiterlesen

AlkoholkonsumentInnen können sich in Deutschland sicher sein dass der Alkohol, den sie in einem Laden kaufen sauber & rein (von der Droge Zucker mal abgesehen) ist und genau soviel Wirkstoff enthält wie auf der Flasche angegeben. In anderen Länder ist gepanschter Alkohol verbreiteter als in Deutschland – mit mitunter tödlichen Folgen.

RaucherInnen haben es da ein weniger schwerer, die Zusatzstoffe sind leider nicht auf der Packung mit angegeben, aber zumindest beim Verbraucherschutzministerium abrufbar – wobei inzwischen einige Marken ja auch mit der Zusatzstofffreiheit werben, zumindest bei mir auch erfolgreich. All das gilt zumindest so lange wie die Zigaretten auf dem offiziellen Markt erworben wurden und nicht etwa – wie in Berlin an zahlreichen S Bahnhöfen möglich – aus dem Illegalen stammen, den hier werden auch gefälschte Markenzigaretten verkauft. Bei ihnen ist sowohl die Qualität des Tabaks hinsichtlich Belastungen durch Pflanzenschutzmittel sowie sonstiger Verunreinigungen und Zusätze unklar.

Für KonsumentInnen illegalisierter Drogen ist der Schwarzmarkt meist die einzige Bezugsquelle – sieht man vom eigenen Anbau, Produktion und dem Anzapfen legaler Quellen wie Apotheken ab. Inzwischen sind fast alle Arten von Drogen mit unterschiedlichsten Verunreinigen gefunden worden, diese reichen von relativ harmloser Lactose in Kokain und Coffein in Heroin bis hin zu Blei im Cannabis und Milzbranderregern in Heroin – letzteres war auch weitaus tödlicher als das hauptsächlich in Legenden auftauchende Strychnin.
Ich werde mich in einigen folgenden Artikel mit Zusätzen, Streckmitteln und Verunreinigungen in Drogen sowie Erkennungs- und Schutzsmaßnahmen und dem politischen Projekt Drug Checking beschäftigen.

Pressemitteilung des DHV vom 30.07.10
Laut einer aktuellen EMNID-Umfrage, die der Deutsche Hanf Verband in Auftrag gegeben hat, spricht sich eine Mehrheit der Befragten dafür aus, entspannter mit Cannabis-Konsumenten umzugehen.

Nur 40% sind dafür, die bisherige harte Linie gegen Kiffer fortzusetzen oder sogar zu verschärfen.

19% wollen Cannabis sogar „wie bei Alkohol und Tabak vollständig staatlich regulieren und besteuern; mit Verkauf an Erwachsene in speziellen Fachgeschäften“. Noch mehr Befragte sprachen sich dafür aus, Hanffreunde zu entkriminalisieren.
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Das Thema Doping ist mit der Drogenpolitik recht verwandt, es tun sich ähnliche Fragestellungen auf und teilweise sind auch die gleichen Substanzen betroffen. Zur Dopingfrage habe ich noch keine fertige Meinung, insbesondere weil im Profisport und dem Bereich Alltagsdoping der Ansatz eines freien und autonomen Individuums angesichts der kapitalistischen Realität zu kurz greift.

Zuallererst würde ich vier Formen des Dopings klar unterscheiden weil es jeweils unterschiedliche Fragen sind, die es zu diskutieren gilt, wenngleich es natürlich fliessende Übergänge zwischen den Bereichen, den Motiven und den eingesetzten Mitteln gibt.

Meistens wird beim Einsatz von Doping an den Leistungssport, insbesondere bei Profisportlern gedacht. Profisport ist ein Markt, Profivereine sind Unternehmen und Fair Play existiert in der Marketingabteilung oder in der Form von sportrechtlicher Regelungen. Der Marktwert eines Sportler wird durch dessen Leistungsfähigkeit bestimmt. Alleine die erste und zweite Fussballbundesliga machen einen Gesamtumsatz von zwei Milliarden Euro jährlich. Real Madrid, Manchester United und der FC Barcelona kommen zusammen auf eine Milliarde Euro. Der weltweite Sportmarkt hat einem Umsatz von 130 Milliarden Dollar. Leistungssportler beginnen ihre Karriere in ihrer Kindheit und müssen sich spätestens nach dem Ende ihrer Ausbildung, eher schon mit dem Ende der Schullaufbahn für oder gegen den Profisport entscheiden. Ein normales Erwerbsleben kennt ein Profisportler nicht, er ist von seinen Beruf wirtschaftlich überdurchschnittlich abhängig und deswegen einem enormen ökonomischen, aber auch sozialen Druck ausgesetzt seine Leistungen zu halten oder weiter zu steigern. Zudem kommt noch eine massive Abhängigkeit von den Trainern.

Hier einige aktuelle Zeitungsartikel zum Thema:

Der zweite Bereit im Doping ist der Breitensport und der Bodybuildingbereich. Hierzu schreibst das Robert Koch Institut im Heft 34 „Doping beim Freizeit- und Breitensport„: „Etwa 6 % bis 8 % der Jugendlichen haben einschlägige Erfahrungen mit dem Konsum von Anabolika und anderen Dopingsubstanzen.“ Ferner werden darin mehrere Umfrage in Sportstudios und im Bodybuildingbereich beschrieben, die meiste zweistellige Prozentzahlen bei der Frage nach Anabolikagebrauch, ergaben. Konsumiert werden anabole androgene Steroide und ähnlich wirkende Substanzen, Amphetamine sowie Diuretika (harntreibende Mittel). Der jährliche Umsatz für Dopingmittel in Deutschland beträgt nach einer Untersuchung aus dem Jahr 2002 des niedersächsischen Innenministeriums und des Bundesinstituts für Sportwissenschaft 100 Millionen Euro. Im Breitensport ist der Konsum von Schmerzmittel, von Voltaren über Aspirin bis Paracetamol, verbreitet.

Ein weitere Bereich ist das alltägliche Doping um im Beruf und Leben zu funktionieren. Hierunter fällt das tägliche Aufpushen mit Koffein und das Schlucken von Schmerzmitteln um trotz Krankheit Arbeiten gehen zu können.

Zuletzt ist noch das mentale Doping an Schulen, Universitäten und in der Wissenschaft allgemein zu erwähnen, hier spielen neben dem allgegenwärtigen Koffein speziell Ritalin und Modafinil die grösste Rolle.

To be continued…

Das Deutschlandradio berichtete am 3.7. in der Sendung Hintergrund Politik über den weltweiten Kampf gegen die Drogen. Max-Peter Ratzel, der ehemalige Leiter von Europol, erzählt darin wie innerhalb der letzten 5 Jahre die Kartelle in Mexiko entstanden und seitdem enorm gewachsen sind. Inzwischen kämpfen sie teilweise offen mit dem Staat um die Macht in Mexiko, dabei starben bereits 23.000 Menschen – Tendenz steigend. Ratzel weiter: „Sie können solch komplizierte Phänomene wie Drogenkriminalität oder Terrorismus nicht mit militärischen Mitteln lösen. Der sogenannte War on Drugs, den die Amerikaner geführt haben, war aus meiner Sicht schon sprachlich falsch angelegt, und deshalb war es auch relativ konsequent, dass er als solcher gescheitert ist.“

In NRW steht die rot-grüne Minderheitenregierung und im Koalitionsvertrag ist zumindest ein kleiner drogenpolitischer Fortschritt zu verzeichnen: „Um die Justiz zu entlasten und Gelegenheitskonsumentinnen und -konsumenten zu entkriminalisieren, werden wir die Eigenbedarfsgrenzen wieder auf den Stand 2007 anheben.“ Es bleibt spannenden ob und wie sich die beiden Wahlempfehlungen des DHV, Grüne und Linke, in ihren unterschiedlichen Rollen bei diesem Thema vorantreiben werden.

Das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) hat einen neuen Leiter. Der russische Diplomaten Juri Fedotow wurde vom UN-Generalsekretär Ban Ki-moon zum Nachfolger von Antonio Maria Costa ernannt. Parallel ist ein starker Anstieg an Artikelveröffentlichungen zum Thema Drogen und Drogenpolitik (Schwerpunkt Opium / Afghanistan) bei RIA Novosti
, der größten und staatlichen Nachrichtenagentur Russlands und damit gleichzeitig dem Sprachrohr des Kremls zu verzeichnen. Dies sollte angesichts von jährlich rund 30 000 Drogentote in Russland eigentlich normal sein, die plötzliche Intensivierung der russischen Medienberichterstattung ist jedoch bemerkenswert.

Heute ist der Tag 52 des Hungerstreikes von Bernard Rappaz in der Schweiz. Der unbeugsame Hanfbauer möchte damit eine Revision seines Prozesses erreichen. Die Walliser Sicherheits- und Sozialdirektorin Esther Waeber-Kalbermatten, die für den Fall verantwortlich ist, gibt sich hart, was ihr in den Augen mancher als ein „Prinzipien vor Menschenleben“ Denken gewertet wird.

Spannendes bleiben auch die Entwicklungen in Grossbritannien. Die liberal-konservative Regierung will nicht nur angesichts des enormen Spardruck die Gefängnisse leeren, sondern denkt auch darüber nach durch eine Entkriminalisierung von Drogen Geld zu sparen. Mehrere hochrangige Vertreter der Lib Dems sowie Tories haben sich in den vergangen Jahren offen für eine neue Drogenpolitik gezeigt, aktuell titelt der Mirror: „David Cameron could be man to de-criminalise cannabis“ und eine Umfrage der Lib Demos zeigt eine Zustimmung von 70% für eine Cannabislegalisierung.

Die Geschichte und Gegenwart der Drogenpolitik ist geprägt von Rassismus. Seit dem Beginn der modernen Drogenpolitik vor etwas mehr als 100 Jahren wurde der Drogenkonsum der „Anderen“ immer wieder dämonisiert. Im Namen des moralischen und gesundheitlichen Schutzes der weißen Mehrheitsgesellschaft vor dem verderblichen Einfluss dieser Drogen werden bis heute diskriminierende und menschenverachtende Repressionsmaßnahmen gerechtfertigt.

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Tödlich sind nicht die Drogen, sondern der Krieg gegen sie

Drogenpolitik ist für viele ein Randthema; ein wenig „Gebt das Hanf frei“ hier, einige saufende Jugendliche dort und eine ewige Debatte über die Heroinabgabe an einige tausend Junkies. Global betrachtet, ist ihre Bedeutung weitaus größer – in einigen Ländern der Welt ist Drogenpolitik zu einer der fundamentalen Fragen der Politik geworden. Die Folgen der derzeitigen globalen Drogenverbotspolitik sind dort kaum zu übersehen. In Mexiko, Kolumbien oder jüngst in Jamaika kämpfen inzwischen die Drogenkartelle offen gegen die Regierungen und um die Macht im Staat. Die Folgen für die demokratischen Systeme sind verheerend: Sei es die grassierende Korruption, die den mexikanischen Präsidenten Felipe Calderón dazu brachte, die Polizei mancherorts durch SoldatInnen zu kontrollieren bzw. ganz zu ersetzen, sei es die Übernahme ganzer Stadtviertel durch Drogenbanden oder die Nichtahndung unzähliger Menschenrechtsverletzungen durch den Staat im Drogenkrieg.
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Mephedron wurde in Deutschland sowie Großbritannien verboten – trotzdem dem Protest von Expertinnen, wie denen des ACMD – worauf zwei weitere Mitglied beschlossen. Nun hat meldet das Psychonaut Research Project: Der Nachfolger von Mephedron wird bereits im Internet beworben: MDAI – eine weitere „research drug“ ähnlich MDMA.

Quelle: New drug set to replace banned mephedrone as a ‚legal high‘,
Mark Townsend, The Observer, Sunday 18 April 2010