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Drogenpolitik: Süchtig nach Verboten?
Drogenpolitik: Süchtig nach Verboten?

von Maximilian Plenert

Zuerst erschienen im Hanfjournal, Sonntag, 25. Oktober 2015

In keiner Debatte um die Legalisierung von Cannabis fehlt das Argument der Prohibitionisten: „Aber kiffen macht Psychosen!“. Das ist zuallererst eine brutale Verkürzung, denn der Zusammenhang zwischen Psychosen und Cannabis ist überaus komplex. Ursache und Wirkung sind hier nur schwerlich auseinander zu halten. Viele Studien hierzu können alleine aufgrund ihres Aufbaus Korrelationen belegen, aber eben keinerlei kausale Zusammenhänge. Leider werden dann gerade in der Medienberichterstattung diese Einschränkungen nicht erwähnt, in der politischen Debatte erst recht nicht. Andere Studien deuten auf eine gemeinsame genetische Basis hin: Wer eine Veranlagung zu Schizophrenie hat, nimm auch eher Cannabis. Soweit ich die Studienlage überblicke gibt es einen gewissen Einfluss von Cannabis auf Psychosen und das Verhältnis von THC- und CBD-Gehalt spielt hier vermutlich eine Rolle. Aktuell kam zudem eine Studie heraus, die auch Tabak mit Psychosen in Verbindung gebracht hat. Wenn sich dieser Zusammenhang bestätigt, wird man auch einige Cannabisstudien hierzu neu bewerten müssen.

Die eigentliche Frage ist jedoch, was folgt aus solchen Erkenntnissen zu Risiken wie Psychosen? Ich behaupte: Es sollte in der Drogenpolitik nicht darum gehen “Wie gefährlich ist Cannabis?”, sondern “Bringt das Verbot irgendwelche Vorteile?” Ich sehe im Psychose-Argument vielmehr einen drogenpolitischen Missbrauch des Themas. Es geht der Politik nicht um das Verhindern von Psychosen, weil dann hätten wir eine Debatte um die Ursachen von Psychosen im Allgemeinen. Dort spielt Cannabis sicherlich eine gewisse Rolle, aber insgesamt eine eher kleine. Eine solche Debatte haben wir aber nicht, Psychosen werden von der Politik alleine als Argument für ihre Position zu Cannabis instrumentalisiert. Bezeichnend ist auch die völlige Fokussierung auf Cannabis und andere illegalisierte Drogen – wer die Fakten kennt weiß: Wer über Cannabis redet, darf Alkohol als weitaus gefährlichere Substanz nicht verschweigen.

Es gibt auch einen Zusammenhang zwischen psychotischen Erlebnissen und Cannabiskonsum über gemeinsame Umweltbedingungen wie „peer victimization“ (z.B. Mobbing in der Schule) und sozioökonomische Benachteiligung. Ernst gemeinte Psychose-Prävention müsste also bei diesen Ursachen ansetzen, wobei z.B. ein „Schulklima der Ausgrenzung und Konkurrenzdenken“ weitaus komplexere Lösungen erfordert als eine „Cannabis verbieten und Basta!“-Politik. Leider ist dies nur einer von vielen Bereichen, in dem die Politik Cannabis als alleinige Ursache für bestimmte Probleme darstellt um von anderen Ursachen abzulenken.

Der neuste Anfall von DrogenPOLITIKmissbrauch stammt von Tino Sorge (CDU/CSU), mit seinem Vorwurf, die Grüne treiben Jugendliche in den Suizid weil sie Cannabis legalisieren wollen… Zitat aus dem Bundestag, aus der Debatte zum grünen Antrag „Suizidprävention verbessern und Menschen in Krisen unterstützen“: „Konkret an die Fraktion der Grünen gerichtet möchte ich noch eines sagen: Ich finde es ein bisschen zynisch, wenn Sie in Ihrem Antrag alle möglichen Punkte aufführen, aber kein einziges Wort darüber verlieren, dass Sie tagtäglich der Legalisierung von Drogen, nämlich von Cannabis, das Wort reden.“ AMEN

3 Gedanken zu „Cannabis und Psychosen – Diagnose: DrogenPOLITIKmissbrauch

  1. psychososen haben für mich immer eine Vorgeschichte und Veranlagung .Familie Umgebung etc . . thc . . ist bei manchen Menschen . .( selten .) . der reine Auslöser und Ursache dafür . . .

  2. Die irreführende Behauptung „Psychose und Schizophrenie durch/wegen Cannabis“ scheint das letzte Bollwerk lernresistenter Verbotsbefürworter zu sein, von denen ein Gutteil mit derlei Aussagen sicher „nur“ Pfründe wahren, finanzielle Vorteile (ab)sichern will, sich dabei jedoch nicht scheut Jugendliche vorschiebend dergestalt für Diskussions-Plattitüden zu missbrauchen, indem sie – die Prohibitionisten – etwa(ig) gefährdeten Jugendlichen eine höhere gesundheitliche oder soziale Lebenswertigkeit und/oder besondere Schutzwürdigkeit beimessen als alten Menschen oder Erwachsenen.

  3. Es sollte in der Drogenpolitik nicht darum gehen “Wie gefährlich ist Cannabis?”, sondern “Bringt das Verbot irgendwelche Vorteile?”.
    Genau das ist doch der Punkt. Natürlich birgt der Cannabis-Konsum Risiken. Fast jeder Stoff, den ich meinem Körper zuführe bewirkt etwas darin. Und Drogen haben per definitionem eine Wirkung auf die Körper und/oder Psyche.

    Welche Vorteile hat das Verbot? Ich kenne nur einen: „Wir haben es verboten, also bist du selber schuld!“

    Das Verbot nimmt „uns“ aus der Verantwortung, selbst wenn wir andere Fehler begangen haben. Wir können andere überfordern, diskriminieren, vernachlässigen, misshandeln etc., aber wenn sie (deshalb) Cannabis konsumieren, dann sind sie selbst an allem schuld.

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